14.05.2020

Mitarbeiter Christian Ploberger im Rundschau-Interview

 

Christian Ploberger ist Mitarbeiter in einer Wohneinrichtung für Menschen mit Behinderung in Engerwitzdorf. Im Rundschau-Interview gibt er Einblick in seinen Berufsalltag und warum er sich für den Beruf als Diplom-Sozialbetreuer Behindertenarbeit entschieden hat. 

Wie schaut ihr Alltag in der Behindertenbegleitung aus?

 

Im Wohnbereich, in dem ich beschäftigt bin, gestaltet sich der Alltag sehr abwechslungsreich. Hauptaufgabe ist natürlich die alltägliche Begleitung der betreuten Menschen in all ihren Lebenslagen. Angefangen von Pflegetätigkeiten, Zubereitung und Unterstützung beim Essen bis zur Begleitung bei Arztbesuchen, Behördenangelegenheiten, Pflegen von Kontakten mit Freunden und Familie bis hin zur Freizeit- und Urlaubsgestaltung. Dabei können auch schon mal Diskonächte bis in die frühen Morgenstunden dabei sein.

Natürlich fällt in einer Wohngruppe auch eine Menge an Hausarbeit an, z.B. Wäsche waschen oder putzen. Das gehört einfach dazu. Hier werden aber die begleiteten Menschen, orientiert an ihren Fähigkeiten, eingebunden. Als Gegenpol zum stressigen Wohnalltag gehören aber auch mal ruhige Momente wo sich die Menschen entspannen können und man als Mitarbeiter auch mal durchatmen kann.

 

Wie sind Sie zu ihrem Beruf gekommen?

 

Ich hatte schon als kleines Kind Kontakt zu Menschen mit Beeinträchtigung, da meine Mutter seit knapp 30 Jahren in der Lebenshilfe beschäftigt ist und mich von klein auf in die Arbeit mitgebracht hat. Dort hab ich schon als kleiner Junge mitgeholfen. Daher war der Umgang mit beeinträchtigen Menschen für mich immer selbstverständlich. Das ich das in Zukunft beruflich machen würde, war damals aber noch nicht klar.

 

Welche Ausbildung haben Sie absolviert?

 

Ich habe nach einem freiwilligen Sozialjahr (diakonisches Jahr) die Ausbildung zum Diplom-Sozialbetreuer Behindertenarbeit, inklusive Pflegeassistenz an der Schule für Sozialbetreuungsberufe in Gallneukirchen absolviert. Die Ausbildung habe ich die ersten zwei Jahre in Vollzeit, das dritte Jahr berufsbegleitend absolviert. Im Rahmen eines Lehrganges habe ich letztes Jahr die Ausbildung zum Moderator für persönliche Zukunftsplanung absolviert. Außerdem studiere ich gerade berufsbegleitend im 6. Semester Gesundheits- und Sozialmanagement an der Hamburger Fern-Hochschule. Nächstes Semester sollte ich nach langen 3 ½ Jahren fertig sein und mit dem Bachelor of Arts abschließen.

 

War das schon immer Ihr Traumberuf?

 

Ich denke es war immer der Plan im Hinterkopf, eigentlich „vererbt“. Als Jugendlicher nach der Unterstufe im Gymnasium war natürlich nicht mein Plan in den Sozialberuf zu gehen, sondern wollte ganz nach dem Vorbild des großen Bruders und persönlicher Interessen in Richtung IT gehen, besuchte auch 2 Jahre die HTL für EDV & Organisation, nachdem ich dort aber kläglich an meinen Fähigkeiten scheiterte hat mich der Weg dann schnell zu meinem „Plan B“ geführt und ich hab mit 16 Jahren dann endgültig in die Behindertenarbeit gefunden. Darüber bin ich aber noch keinen Tag traurig gewesen! Ich bin da, wo ich hingehöre!

 

Was ist für Sie das Erfüllendste an ihrem Beruf?

 

Das erfüllendste für mich ist, wenn ich es gemeinsam mit den betreuten Menschen schaffe, den Alltagstrott mit tollen Erfahrungen und Erlebnissen zu durchbrechen, auf die wir noch lange zurückblicken können.

 

Was war für Sie die schwierigste Situation, mit der Sie im Beruf umgehen mussten?

 

Es gibt für mich nicht „die eine“ Situation die mir ganz wesentlich in Erinnerung geblieben wäre. In der Arbeit mit Menschen mit Beeinträchtigung ist man oft mit herausforderndem Verhalten konfrontiert. Gute Reflexion und Psychohygiene im Team ist ein gutes Mittel, um diese Situationen  bewältigen zu können.

 

Was ist Ihr Ausgleich zum Beruf?

 

Wenn man den ganzen Tag mit den Bedürfnissen und Wünschen von Menschen um dich herum beschäftigt ist, hilft es sich auch mal bewusst Zeit für sich Selbst und die eigenen Bedürfnisse zu nehmen. Sport und Zeit in der Natur beim Bergsteigen oder Wandern helfen auch den Kopf in stressigen Zeiten freizubekommen und natürlich ist Zeit mit der Familie und Freunden essenziell für den Ausgleich zum Beruf.